Als gelernter Steinbildhauer hatten Sie es früher eher mit denkbar massiven Objekten zu tun. Was hat Ihre Begeisterung für kinetische, also bewegliche Kunst ausgelöst?
Frank: Als Steinmetz war ich häufig mit Restaurationen von Kirchen beschäftigt. Irgendwann hat mich jemand gefragt, ob ich auch einen Wetterhahn fertigen könnte. Ich habe einen gebaut, der sich nicht nur im Wind dreht, sondern auch Flügel und Füße bewegen kann. Seither bin ich fasziniert von solchen mechanischen Herausforderungen.
Warum?
Frank: Was mich besonders reizt, ist das Spiel mit den vermeintlich kleinen Kräften der Natur; viele meiner Objekte, wie das Windpaddel oder die Windflunder, werden schon durch geringe Luftzüge dauerhaft in Bewegung versetzt, andere durch ein bisschen Wasser. Ich finde es phantastisch, den Betrachtern vor Augen zu führen, welchen Einfluss diese Kräfte haben, obwohl sie sie sonst vielfach gar nicht direkt wahrnehmen. Wenn sie meine Objekte sehen, fragen viele zuerst: Wo ist denn da der Motor...
Klingt nach pädagogischem Sendungsbewusstsein. Sie müssten genau der richtige Mann für die aktuellen Projekte im Rahmen des Modells “Ökologische Stadt der Zukunft³ sein.
Frank: Ich lebe eher von Pommes als von Müsli. Solche Motive stehen bei mir, ehrlich gesagt, nicht im Vordergrund. Ich verbinde meine Objekte auch nicht mit irgendwelchen Appellen. Vielmehr geht es mir darum, die uralte Faszination von der Maschine, die sich selbstständig bewegt, mit neuen Anregungen zu nähren. Ich denke da an die erste Umdrehung der ersten Dampfmaschine.
Wie verstehen Sie sich selbst? Sind Sie in erster Linie Künstler, Techniker, Philosoph, Handwerker oder Erfinder?
Frank: Die Diskussion darüber, was heute Kunst ist und was nicht, finde ich zuweilen ermüdend. Erfindungen im eigentlichen Sinn des Wortes gibt es ja heute kaum noch; wäre ich zu Lebzeiten von Kollege Leonardo da Vinci geboren, hätte ich in dieser Hinsicht bestimmt mehr Möglichkeiten gehabt. Ich verstehe und engagiere mich dennoch in erster Linie als Künstler, schon weil meine Werke keinen praktischen Zweck haben.
Wird in die aktuelle Kunst zu viel hinein interpretiert?
Frank: Ich glaube schon. Es kann ziemlich frustrierend sein, wenn man vor einem völlig abstrakten Bild mit einem völlig geheimnisvollen Titel steht ­ und der Künstler dann auch noch sagt: “Das Werk soll für sich sprechen; ich mag nichts weiter dazu sagen.³ Für mich persönlich ist weniger der “Kuss der Muse³ entscheidend als zum Beispiel das Gefühl, durch die Bewegungen meiner Objekte auch Stimmungen und Atmosphäre zu erzeugen, um das Bewusstsein der Menschen frei zu machen ­ wie dies in der Hypnose oder in der Anthroposophie geschieht.
Also weisen Ihre Objekte ­ wenn der Ausdruck erlaubt ist ­ über sich selbst hinaus?
Frank: Ich denke schon. Ich finde, ein ästhetisch gestaltetes Objekt spricht über diesen mechanischen Ansatz einfach mehr Menschen an als beispielsweise ein knallblaues Bild, das bei längerer Betrachtung scheinbar zu flimmern beginnt. Meine Werke werden häufig von Ingenieuren erworben, die sich zunächst für die physikalischen Hintergründe interessieren. Wichtiger sind mir aber die Gedanken, die dann kommen.
Motiviert es Sie, den akademischen Technikern ungeahnte Überraschungen zu servieren?
Frank: Allerdings. Ich freue mich, wenn die zum Beispiel fragen: “Wieviel kW bringt denn diese Maschine?³ Ich frage dann zurück: “Meinen sie mit kW den künstlerischen Wert?³
Reagieren Kinder anders auf Ihre Werke als Erwachsene?
Frank: Ja, lebhafter. Oft erobern sie sie sofort als Spielobjekte und wollen darauf herumklettern ­ was natürlich auch manchmal ein Problem ist, weil die Materialien empfindlich und vielfach kostspielig sind. Es gibt aber auch Erwachsene, die meine Objekte sofort mit Spazierstöcken traktieren. Natürlich wecken sie einen Spieltrieb, das ist auch gut so. Andererseits habe ich durchaus erlebt, dass die gleichen Leute sich fürchterlich darüber aufgeregt haben, weil ich mich gegen ihr Auto gelehnt habe (lacht).
Auf die Frage, wie Sie die Ideen für ihre Kunstwerke entwickeln, haben Sie einmal geantwortet: beim Kaffeetrinken. War wohl ein Witz?
Frank: Keineswegs. Im Grunde entsteht das Werk zuerst im Kopf. Wie man es umsetzen will, ist mit Worten vorab sehr schwer zu erklären. Die meisten verstehen das in der Theorie allenfalls, wenn man es vier oder fünf Mal erklärt hat...
Au weia.
Frank:... nehmen wir zum Beispiel zwei aneinander befestigte Fahnen, die jeweils über eine eigene Achse verfügen. Wenn man die in bestimmter Anordnung in den Wind hält, kommt es zu völlig überraschenden, teils chaotischen, also nicht berechenbaren Dreh-und Kippeffekten. Das war so eine theoretische Idee, die ich dann bei der Umsetzung verfeinert habe. So ähnlich funktioniert das meist.
Sie engagieren sich im Atelierhaus Aachen und im Vorstand des Berufsverbands Bildender Künstler. Sehen die Kollegen Sie überhaupt als einen der ihren?
Frank: Auf jeden Fall. Jeder vertritt seine eigene Meinung zur modernen Kunst, da muss man tolerant sein. Ich persönlich sehe oft mehr die praktischen, organisatorischen Dinge und beschäftige mich nicht soviel mit philosophischen Fragestellungen.
Sie haben auch bei der Aktion der Initiative Aachen, “Kunst schafft Kundschaft³, mitgewirkt. War das Experiment, Bilder und Skulpturen in leer stehenden Läden zu zeigen, ein Erfolg? Viele Kollegen haben den Schulterschluss von Kunst und Kommerz skeptisch betrachtet.
Frank: Die Initiative hat alles gehalten, was sie den Künstlern versprochen hat, das muss man betonen. Im Übrigen war es natürlich jedem freigestellt, ob er mitmacht oder nicht. Andererseits ist es ein grundsätzliches Problem, dass viele Geschäftsleute sich per se als Förderer der brotlosen Kunst begreifen und nicht verstehen, dass künstlerische Produkte mit viel Arbeit und Kosten verbunden sind. Ein gewisser Geschäftssinn wird Künstlern oft immer noch übel genommen. Das ist für mich nicht nachvollziehbar.
Sie haben schon in vielen Ländern ausgestellt, in halb Europa und Arabien. Reagieren andere Kulturen anders auf Ihre Werke als die Deutschen?
Frank: Teilweise. Das hängt aber wohl eher mit der Erziehung zusammen. Britische Kinder zum Beispiel sind unheimlich diszipliniert. Die haben auch ihren Mund nicht aufzumachen, wenn sie in Begleitung Erwachsener sind. Spezielle geografische Eigenheiten können allerdings auch eine Rolle spielen. Im Auftrag eines glasverarbeitenden Unternehmens war ich zum Beispiel im arabischen Abu Dhabi zu Gast. Dort haben wir im Rahmen einer Messe über erneuerbare Energien mein kinetisches Objekt aus Hologramm-Glas präsentiert, das in den Farben des Regenbogens schillert und über bewegliche Elemente verfügt. Regenbögen sind in der Wüste naturgemäß unbekannt und haben von daher eine besondere Faszination.
Inzwischen haben Sie sogar einen internationalen Zusammenschluss einschlägiger Künstler, die Kinetic Art Organisation, mit begründet. Was macht die, und wie kam es dazu?
Frank: Anfang 2001 habe ich per Internet einen Workshop über kinetische Kunst angeboten. So bin ich mit zwei Kollegen aus den USA in Kontakt gekommen. Daraus hat sich diese Organisation dann entwickelt. Bei Treffen sammeln wir einfach Ideen, inspirieren uns gegenseitig und genießen es, gemeinsam über neue Ideen zu “spinnen³ ­ mehr nicht. Im August haben wir ein gemeinsames Nudel-Essen in Genf veranstaltet, da waren Kollegen aus Frankreich, Italien, der Schweiz und den USA dabei. Wir machen aber auch ernsthafte Dinge. Wir haben einen Wettbewerb ausgeschrieben und bereiten die “Kinetic Biennale³ für Juni 2003 im niederländischen Bos van Ypeij Park vor, die dann weltweit “wandern³ soll. Im Internet vertreten wir die ausführlichste Datenbasis in Sachen internationale kinetische Kunst.
Haben Sie keine Angst, dass Ihnen die Ideen ausgehen könnten? Die physikalischen Gesetze sind ja wohl begrenzt.
Frank: Überhaupt nicht. Ich habe noch 1000 Pläne im Kopf, komme mit der Umsetzung gar nicht nach.
Sind Sie frustriert, wenn Sie feststellen, dass sich ein Konzept nicht umsetzen lässt?
Frank: Das ist mir bislang wirklich noch nicht passiert. Ich bin mir meist sicher, dass ich einen Mechanismus auch gestalten kann, wenn ich die Idee dafür entwickelt habe.
Wovon träumen Sie als Künstler?
Frank: Ganz konkret: von einer großen Halle mit vielen Praktikanten und Auszubildenden, die mir helfen, meine Konzepte umzusetzen. (Lacht:) Da wär¹ ich dann gern der “Prof³.
Und dann entwickeln Sie das Perpetuum mobile?
Frank: Das hab¹ ich mir schon lange abgeschminkt. Was nicht geht, geht eben nicht. Mich interessieren die Geheimnisse, die sich darstellen lassen.

Aachener zeitung -
Text: M. Hinrichs
Fotos:M. Jaspers mailto:info@mail.aachener-zeitung.de
Datum: Mit, 23. Okt,2002,18:21 Uhr